Ehren-Schaumburger auf Lebenszeit - Bewegender Abschied für "Watzen"

Nach 50 Jahren: Dr. Gerhard Wieding tritt als Chef der Ruderriege ins Glied zurück

Bückeburg (mab). "Ich fühle mich etwas überehrt. Schließlich hat mir das alles doch Spaß gemacht!" So die Reaktion des sichtlich überwältigten Dr. Gerhard Wieding auf die Überraschungsgäste mit ihren Ehrungen, Grußworten und Geschenken, die zur Jahresversammlung der Ruderriege Schaumburgia Bückeburg erschienen.Nach 50 Jahren als Protektor und Chef des Vereins hat Wieding sein Amt abgegeben - und wurde gebührend verabschiedet.

Landrat Heinz-Gerhard Schöttelndreier zeichnet Dr. Gerhard Wieding aus."Er habe doch wohl nicht geglaubt, dass man ihn einfach so gehen ließe, betonte Kassenwart Manfred Haupt. Das war das Stichwort für vierzig ehemalige Adolfiner und Ruderer, von denen das Gros dem Verein immer noch treu ist. Ein Aufmarsch von Freunden, ehemaligen Schülern und Ruderkollegen, die aus ganz Deutschland und sogar der Schweiz anreisten. Wieding freute sich über jeden, war ihm doch jeder aufgrund irgendeiner Anekdote im Gedächtnis geblieben.

 

Seit 1936 ist Wieding dem Rudersport verfallen. Ruderte er zunächst beim Hannoverschen Ruderclub, so brachte ihn seine Studienassesorstellung am Adolfinum 1955 auch zur Ruderriege Schaumburgia. Er übernahm noch im selben Jahr die Rolle des Protektors. Mit ihm begann der Aufschwung. Wie in allen Reden deutlich wurde, förderte Wieding als "wahres Unikum" Disziplin, Teamgeist und - besonders wichtig - Respekt. Letztendlich war er der beste Lehrmeister nicht nur fürs Rudern, sondern auch für so manche Lebenssituation. Landrat Heinz-Gerhard Schöttelndreier, selber Mitglied der Ruderriege, kann dies nur bestätigen: Auch er erlebte Wieding in seinem Element. Er überreichte dem scheidenden Chef Erinnerungsbilder und ernannte ihn "zum Ehren-Schaumburger aufLebenszeit". Derlei Ehrungen hagelte es noch mehr: Der Vorsitzende des Kreissportbundes, Dieter Fischer, steckte ihm die goldene Ehrennadel des Landessportbundes an, Werner Niemeyer, Chef des Schülerruderverbandes Niedersachsen, die silberne Ehrennadel des Verbandes. Bürgermeisterin Edeltraut Müller sprach ihre Anerkennung aus, dass Wieding die Ruderriege Schaumburgia zu einer der erfolgreichsten Ruderriegen Deutschlands gemacht hat. Nicht nur wettkampftechnisch, sondern auch den Breitensport betreffend hat Wieding, alias "Watzen" die Schaumburgia bekannt gemacht. Mehrmals wurde der Georg-von-Opel-Preis für die beste Breitenarbeit vergeben. Wieding erhielt zudem zwei Auszeichnungen für hervorragende Jugendarbeit vom Deutschen Ruderverband.

Er selbst gehört zudem zu der kleinen Gruppe Ruderer, die den so genannten Äquatorpreis für eine Gesamtruderleistung von über 40 000 Kilometern im Regal stehen haben. Der Verein ehrte den 82-Jährigen auf zweierlei Weise: Vize-Vorsitzende Lars Barkhausen überreichte ihm eine Urkunde, die ihn zum Ehrenvorsitzenden ernennt. Die zweite Ehrung sollte "Watzen" quasi ein Denkmal setzen. Daher wird der Platz vor dem Bootshaus nun mit Schild offiziell als "Watzenplatz" getauft. Zu seinem Spitznamen kam er durch einen seiner Ruderschützlinge, neben dem er am Mittellandkanal her rannte und Trainings-Anweisungen brüllte. "Wie er da am Kanal entlangwatzt!" hat Hans Rath damals wortwörtlich gesagt. Die "Ära Watzen" ist zwar vorbei, doch nur was den offiziellen Teil betrifft. In den Erinnerungen der Ruderer wird sie aufs Beste konserviert.

Siehe auch "Chefwechsel: Jetzt führt Gerhard Böhne die Ruderer"

Landes Zeitung 08.03.05